Ich gehe, in mir ist ein unbestimmtes Gefühl. Ich wage keinen Entschluss zu fassen. Wenn ich wüsste, dass ich Talent hätte… nie aber habe ich etwas in dieser Art geschrieben - historische Aufsätze, gewiss, und dergleichen. Ein Buch. Einen Roman. Und Leute würden diesen Roman lesen und sagen: “Den hat Antoine Roquentin geschrieben, ein Rothaariger, der sich in den Cafés herumtrieb.” Und sie würden an mein Leben denken, wie ich an das der Negerin denke: wie an etwas Kostbares, halb Legendäres. Ein Buch. Anfangs würde es eine öde ermüdende Arbeit sein, sie würde nicht hindern können, dass ich existiere und fühle, dass ich existiere. Dann aber käme der Augenblick, wo das Buch fertig wäre, hinter mir läge - und ich glaube, ein wenig von seiner Klarheit fiele auf meine Vergangenheit. Vielleicht könnte ich dann, durch dieses Buch hindurch, mich ohne Widerwillen meines Lebens erinnern. Vielleicht würde ich eines Tages - wenn ich an diese Stunde denke, diese trübe Stunde, in der ich mit gewölbtem Rücken dastehe und darauf warte, in den Zug zu steigen - vielleicht würde ich dann mein Herz schneller schlagen fühlen und mir sagen: “An diesem Tage, zu dieser Stunde hat alles begonnen.” Und vielleicht gelänge es mir - in der Vergangenheit, nur in der Vergangenheit - mich gelten zu lassen.
Jean-Paul Sartre, Der Ekel